|
Gustav (Adolf) Zeitzschel
Opera Singer, Lyrical Tenor, Singing and Piano teacher

Gustav Zeitzschel, Opernsänger
* 1. February 1868 in Sorau
Niederlausitz / Today: Zary, Lubuskie, Polska
† 8. January 1951 in Helmstadt near Wuerzburg, Bavaria,
Germany
Gustav Zeitzschel war Opern- und Konzertsänger
(u.a. Großherzoglicher sächsischer Hofopernsänger),
Gesangs- und Klavierpädagoge und Gesangsstar der Delog,
Berlin Gesang-Film-Tourneen (auch Singfilm genannt)
und der Filmopern-Tourneen nach dem Beck'schen Patent
(Live-Musik zum (Stumm-)Film würden wir heute sagen)
und später Direktor und Star der deutsch-österreichischen
Künstlergesellschaft.
Nach seinem Abitur am Kaiserin Augusta Gymnasium in
Charlottenberg (Berlin) absolvierte er zunächst eine
Banklehre und war dann bis 1898 im Bankgeschäft tätig.
In dieser Zeit erhielt er auch seine Gesangsausbildung
bei weltweit bekannten Opernsängerin und Gesangspädagogin
Lilli Lehmann.
Nach einem Aufenthalt 1898 - 1900 als kaufmännischer
Direktor für die 1898 gegründete Kaffeeplantage Sakarra
AG, Berlin in Sakarra, Deutsch-Ostafrika (heute Tanzania)
bekann seine Karriere als Opernsänger im Dezember
1900. Sie beinhaltete u.a. Opern-Engagements als lyrischer
Tenor

Gustav Zeitzschel in einigen seiner Glanzrollen
1900 - 1901 am Stadttheater in Frankfurt a. M.
1901 - 1902 am Stadttheater in Aachen
1902 - 1904 am Hoftheater in Weimar
1904 - 1905 am Nationaltheater Berlin
1905 - 1906 am Neuen Stadttheater in Nürnberg
1906 - 1909 am Stadttheater in Freiburg im Breisgau
1909 - 1912 am Stadttheater in Chemnitz
Aus den Kritiken:
Frankfurter General-Anzeiger: 8. Dezember 1900
Zauberflöte, Tamino
Eine der erfreulichsten Neuerungen, die Intendant
Jensen uns bisher geboten, war die Neubesetzung des
Tamino in der vorgestrigen Aufführung der "Zauberflöte".
Sie gab uns die Gewißheit, eine seltsame Spezies im
Rahmen der zeitgenössischen Kunst für uns entdeckt
und sofort auch verpflichtet zu sehen - die Spezies
des echten und rechten Mozartsängers. Der homo novus
ist Herr Zeitzschel und sein vorgestriges Auftreten
in der Rolle des standhaften Prinzen ward uns, die
wir seit Jahren über die Fahrten und Abenteuer auf
der Suche nach einem künstlerischem Nachwuchse für
die Frankfurter Oper Buch zu führen gehabt, zu einer
Überraschung freudigster Art. Herr Zeitzschel ist
ein Tamino, wie er seit langem nicht mehr auf unserer
Bühne zu Gehör gekommen; ein ausgesprochenes Gesangstalent,
dessen natürliche Leichtigkeit der Tongebung in trefflicher
künstlerischer Schulung vervollkommnet worden. Dabei
ist das Organ jugendlich frisch und doch herzhaft
im Ausdruck; weich und geschmeidig, ohne zu süßlicher
Empfindsamkeit verzärtelt zu sein; lyrisch in der
Stimmung und doch männlich gefestigt im schönen Vollklang
des Tones.
Offenbacher Zeitung: 16. September 1901
Der Troubadour, Manrico
Als Manrico stand ihr Herr Zeitzschel würdig zur
Seite. Der Sänger besitzt einen schönen, metallreichen
Tenor, der besonders in der Höhen- und Mittellage
sehr anspricht. Die weitere Ausbildung dieses Herrn,
der sich auch als gewandter Darsteller zeigte, berechtigt
zu den schönsten Erwartungen.
Weimarische Zeitung: 18. November 1902
Der Postillon von Lonjumeau
Seiner graziösen Musik und zahlreicher komischer
Pointen wegen wird der "Postillion" immer ein dankbares
Publikum finden, besonders aber, wenn eine Bühne das
Glück hat, in der Titelrolle einen so vortrefflichen
"Ritter vom hohen C" wie Herrn Gustav Zeitzschel zu
besitzen.
Dresdner Zeitung: 13. April 1905
Zauberflöte, Tamino
Als Tamino in Mozarts "Zauberflöte" gastierte Herr
Gustav Zeitzschel vom Nationaltheater in Berlin mit
recht günstigem Erfolge, leider jedoch, wie man hört,
nicht auf Engagement. Die Bildnisarie geriet ... ganz
vortrefflich, auch im Verlauf der Oper büßte die Stimme
nichts an tenoralem Schmelz ein, und seit langem haben
wir eine lyrische Partie nicht so schön singen gehört,
wie am Dienstag. Er übertrifft in mehr als einer Beziehung
Herrn Saville. Nürnberger / Fürther Zeitung: Barbier
von Sevillia, Almaviva Einen tüchtigen lyrischen Tenor
lernten wir in Herrn Gustav Zeitzschel kennen; die
Stimme besitzt Kraft und Fülle in den Höhenlagen,
wie vollständig ausgeglichene Register der Mittelpartie
bei überaus sympatischer Klangfarbe. Das Spiel zeigt
dramatisches Leben und charakterisiert Stimmungen
in Szenen und jede wechselnde Empfindungen des Helden.
Freiburger Tagblatt: 14. Oktober 1907
Carmen, Don José
Als Don José nahm Herr Zeitzschel durch sichere
musikalische und schauspielerische Haltung für sich
ein und auch gesanglich bot er Erfreuliches. Im Duett
des ersten und in der Arie des zweiten Aktes zeichnete
sich der Ton durch Weichheit und Geschmeidigkeit aus.
Den rächenden José wußte Herr Zeitzschel mit manchen
gelungenen Strichen zu zeichnen.
Dazu kamen zahlreiche Operngastspiele auf bekannten
Opernbühnen u.a. in Offenbach a. M., Hoftheater in
Altenberg, Thüringen, Königliches Hoftheater in Dresden,
Sommeropen in Stralsund, sowie Aufführungen von Konzerten,
Oratorien und Soloquartetten.
1913 verlor er sein Engagement in Chemnitz an den
noch jungen Richard Tauber, der seinen Platz als Solist,
für ein deutlich geringeres Honorar, übernimmt. Richard
Tauber sen., ab 1912 Direktor des Chemnitzer Stadttheaters,
ebnet den Weg für den Wechsel.
1915 engagiert ihn Karl Otto Krause von der Delog,
Deutsche Lichtspiel-Opern Gesellschaft als Opernsänger
für ihre innovativen Singfilme nach dem Beck-Patent.
Erst als Gesangsstar und später als Direktor der Deutsch-Österreichischen
Künstlergesellschaft organisierte er Gesang-Film-Tourneen
in Deutschland, Österreich und der Schweiz und sang
in zahlreichen Filmopern
u.a. Martha, Cavalleria Rusticana,
Der Waffenschmied, Der Freischütz, Die lustigen
Weiber von Windsor, La Traviata, Margarethe, Undine;
Filmoperetten u.a. Nur auf den Bergen
wohnt das Glück, Wer in der Jugend
nicht küsst, sowie Sing-Filmspiele und
Volksfilme u.a. Das Herz am Rhein,
Du Mädel vom Rhein, Ich hatt' einen Kameraden.
Film-Singspiel: Du Mädel vom Rhein

Film-Singspiel: Nur auf den Bergen wohnt das Glück
Film-Singspiel: Ich
hatt' einen Kameraden
bis der aufkommende Tonfilm und die sich stetig verbessernde
Tonqualität diese Aufführungsart in 1931 hinfällig
machte.
Gustav Zeitzschel beim Gesangsunterricht (mit seiner
Tochter Lilo Z.)
Nach 1931 war Gustav Zeitzschel dann vorwiegend als
Gesangs- und Klavierlehrer tätig. Seine aktive Sängerkarriere
beendete er am 15. April 1938 nach über 3.600 Auftritten
als Petrus / Pilatus in der Johannes-Passion
von Heinrich Schütz an der St. Johanniskirche in Würzburg.
In erster Ehe war Gustav Zeitzschel mit Maria Clara
Ehrhardt (12-Aug-1897) und in zweiter Ehe mit
Anna Theresia Dunst (7-Feb-1918) verheiratet.
|